Projekt (fast) beended

Es ist vorbei. Mein Zweijahresprojekt, welches Teil meines
Informatikstudiums an der Uni Bremen ist, ist nun endlich (bis auf den
Bericht) vorbei. Das 2 Jahresprojekt ist soweit ich weiß einzigartig
in Deutschland und vom Prinzip her eine sehr gute Idee. Es ist zwar
betreut, aber weitgehend von Studenten selbst organisiert. Wir sollen
mit meistens 10-20 Leuten je Projekt eigene Ziele um ein (von uns im
vorraus gewähltes) vorgegebenes Thema erarbeiten. Dann soll das auch
in weitestgehender Eigenorganisation umgesetzt werden. Und am Ende, da
kommt der Projekttag, wo wir das ganze Vorstellen dürfen. Nicht zur
Benotung, sondern für uns, Freunde und für andere Studenten.

Schon das Erarbeiten der Ziele hat bei uns ein Semester gedauert. Auch
wenn das häufig als normal dargestellt wurde, fand ich es persönlich
zu lange. Schlimmer wurde es dann in der Planungsphase für die
Umsetzung. Wir haben ein Semester lang viele RfCs gelesen (das war
jedoch interessant…), Anwendungsfälle gemacht, unsere Architektur
überlegt, ein Protokoll in Grundzügen ausgearbeitet, viele interne
Vorträge gemacht und sehr sehr viel disuktiert. Ermüdend. Über Dinge
zu reden ist wichtig, aber ich glaube in der heutigen Arbeitswelt wird
es maßlos übertrieben. Bin gespannt wie das bei mir irgendwann sein
wird.

Dann haben wir im dritten Semester 80% davon wieder über den Haufen
geworfen und alles implementiert. (Interessant, wenn auch stressig, da
die Zeit knapp wurde.) Das vierte Semester wurde dann versucht die
letzten Macken auszubügeln und zu testen. Das hat bei uns sogar gut
funktioniert, mal ein Erfolgserlebnis. Und dann waren etwa 50% des
vierten Semesters für den Projekttag gedacht. Nur für den Projekttag! Wir
haben uns gegen eine interaktive Präsentation entschieden und wollten
einen Film drehen. Der Projekttag ist keine offizielle Präsentation,
die für die Benotung wichtig ist (denke ich zumindest :-)), sondern es
geht eigentlich immer sehr lustig her. Unser Film ist also in ich
schätze 23 Stunden gedreht worden und 40(!) Stunden geschnitten und wo
nötig besprochen worden. Im Schnitt waren an den Arbeiten 3-4 Personen
beteiligt. Also sind dafür 63h*3,5=220,5, also 5,5 Arbeitswochen einer
Person reingesteckt worden. Das steht meiner Ansicht nach zu keinem
Verhältnis zu dem, was es denn Wert ist. Vorallem da viele in meinem
Projekt, aber bestimmt auch anderen, deutlichst keine Lust hatten und
sehr inaktiv waren. Wenn Leute nicht zu verabredeten Treffen kommen,
während Du in den letzten 6 Tagen vor dem Projekttag 40 Stunden
zusätzlich zu Deinen normalen Pflichten wie Arbeit, Vorlesungen und
Übungszetteln auf Deinem Teller hast, macht das schon sauer.

Ich merke, wir kommen nun vom beschreibenden Teil zum Kritikteil des
Ganzen. Eine gute Kritik beginnt gerne mit dem Aufzählen des
Positiven. Das Zweijahrensprojekt ist eine interessante Übung für das
Arbeitsleben: Man muss ein System einer Größe erstellen, das man
innerhalb von einem oder zwei Semestern einfach nicht planen und
implementieren kann. Man hat die Chance seine Teamfähigkeit zu
vertiefen. (Vertiefen deshalb, da das Informatik Studium an der Uni
Bremen sowieso ein Gruppenstudium ist, fast alle Übungen zu den
Veranstaltungen sind als Gruppe von üblicherweise 2-4 Mann zu lösen.)
Kritisch stehe ich auf jeden Fall der Art der Teamarbeit
gegenüber. Wir haben uns z.B. in 3 Gruppen aufgeteilt und waren
zwischen sechs und vier Mann groß. Meine Gruppe im speziellen hatte 6
Mann. Und dann versuchts Du zu sechst etwas zu machen. Es gibt Leute,
die hängen sich rein und machen sich Arbeit und andere, die sich
zurücklehnen und nichts tun, Termine nicht einhalten und einfach
weniger machen. (Zu wenig für die Menge an ECTS, die es für das
Projekt gibt.) Lösungsmöglichkeit: Schlechtere Note als die, die viel
machen. Das klappt aber nicht. Durch das weitgehend
Selbstorganisierte wissen die Betreuer selten, wer denn was wie
gründlich und pünktlich gemacht hat. Man könnte das und andere
Probleme versuchen durch eine Hierarchie, also einen Gruppenleiter, zu
lösen. Wir haben es sogar versucht, wenn auch halbherzig, aber der
Ansatz scheitert auch sofort: Es gibt keine Konsequenzen. Was kann
denn der Gruppenleiter schon machen? Jemanden feuern? Jemanden nicht
befördern? Er kann ja nichtmal seinem „Vorgesetzten“, den Betreuern
bescheid sagen. Aus zwei Gründen: Petzen? Und wenn man sich dazu
durchringen würde, dürfte der Betreuer einem denn glauben? Schließlich
ist der Gruppenleiter selbst Student und wird in dem Projekt
benotet. Einige Projekte haben durch intensivere Betreuung und häufige
Benotung versucht dem entgegenzuwirken. Aber nach dem was ich höre,
werden auch dort die meisten bestehen und garantiert mit einer
besseren Note als verdient.

Das Ergebnis von all dem: Meiner Meinung nach ist 75% der investierten
Zeit in das Projekt von etwa 33% der Teilnehmer gemacht worden. Und
das zu einem Großteil unbemerkt von denen, die nachher benoten. Und
das deprimiert.

So, das hat lange gedauert, war aber auch wirklich nötig.

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